WIRklichkeit #1: Der blinde Fahrgast

In dieser Serie erzähle ich kurze Geschichten aus dem Alltag, in denen das WIR eine wichtige Rolle spielt.

Vorgestern fuhr ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu einer Nachmittagsveranstaltung. In den Pausen führte ich mehrere angeregte Gespräche mit Kolleg*innen. Ich freute mich über wichtige Informationen, die wir austauschen konnten und das „Networking“. Echte WIR-Momente.

Zurück am Bahnhof traf ich auf einen der Kollegen. Er fuhr mit dem gleichen Zug nach Hause, ohne dass wir es voneinander wussten. Welch ein schöner Zufall! Wenige Augenblicke später sollten wir in einer Durchsage hören, dass wir wohl lange, sehr lange Zeit haben würden, uns zu unterhalten. Der Grund: In einem der nächsten Bahnhöfe brannte eine Lok. Alles stand für unbestimmte Zeit still, nichts ging mehr.

Gemeinsam

Wenige Schritte hinter uns stand ein junger Mann mit einem Blindenstock in der Hand. Er hielt sich am Geländer fest und lauschte angestrengt auf die Lautsprecherdurchsagen. Nach längerem Warten kam endlich unser Zug. „Ist das der Zug Richtung Leipzig?“ fragte der Blinde in die Runde. „Ja!“ antwortete mein Kollege. „Kommen Sie mit mir, ich bringe Sie zur Tür.“

Im Zug schauten wir uns in dem dichten Gedränge nach einem Sitzplatz für ihn um. Da rief eine junge Frau: „Hier ist ein Platz frei. Drehen Sie sich nach rechts, dann geht es eine Stufe hoch. Gut! Noch einen Schritt nach links und Sie können sich hinsetzen.“

Einige Stationen später wurde unsere Fahrt plötzlich beendet. Wir sollten aussteigen, hinunter zur Hauptstraße gehen und auf den Schienenersatzverkehr warten. Auch jetzt nahm sich Jemand des jungen Reisenden an und begleitete ihn in diesem fremden Terrain.

Schließlich konnte die Fahrt dann doch mit dem Zug fortgesetzt werden und die ganze Karawane stapfte wieder bergauf zum Bahnsteig. Immer hatte der Mann mit dem Blindenstock jemanden an seiner Seite, der ihn informierte und ihm half.

Nach fast drei Stunden (statt einer) kam ich wohlbehalten an meinem Heimatbahnhof an. Ich hoffe, dass die Fahrt für den blinden, jungen Mann mit so viel Unterstützung weiterging, wie er brauchte. Dann kam auch er sicher gut an seinem Zielbahnhof an.

#WIRklichkeit. #Danke.

Bild von Kaffee Kraftwerk auf Pixabay

Christine Kiunke
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