Drei Beispiele: Wie Missverständnisse entstehen und was hilft

Wir gehen oft davon aus, dass die Anderen die gleiche „Definition“ von Begrifflichkeiten oder den gleichen Standpunkt zu einem Thema haben wie wir selbst. Dem ist aber nicht immer so, wie meine kurzen Beispiele gleich zeigen werden.

Drei wichtige Erkenntnisse:

  1. Mag ein Begriff oder Thema noch so alltäglich, selbstverständlich oder banal sein: Mache dir klar, dass es dazu unterschiedliche Sichtweisen geben kann, die sich nicht mit deiner decken.
  2. Es ist wichtig, sich – immer wieder – zu vergewissern, ob wir vom Gleichen ausgehen oder über das Gleiche reden.
  3. Der Austausch darüber hilft, Missverständnisse aufzudecken und zu vermeiden.

Klopapier, Uhr und Handy – meine drei Beispiele

Beispiel 1: Rolle rückwärts

In einem Workshop geht es hoch her. Acht Frauen diskutieren und versuchen sich gegenseitig zu überzeugen, dass es genau so sein müsse und nicht andersherum.

Um zu verdeutlichen, wie Missverständnisse entstehen können, hatte ich mich mit einer Rolle Toilettenpapier vor die Gruppe gestellt. Die beiden Zeigefinger dienten links und rechts als Rollenhalter, einige Blätter waren abgerollt. Ich stand nur da und sagte nichts.

Fragende Blicke der Teilnehmerinnen. „Was wird das jetzt?“ fragte Jemand. „Keine Ahnung, eine Kunstinstallation vielleicht?“ Sie grübelten und rätselten eine ganze Weile, bis eine Frau meinte: „Ist doch egal, was das darstellen soll, sie hängt ja eh verkehrt herum.“

Nach einem kurzen Moment der Stille brach eben jene Diskussion los, die ich eingangs erwähnte. Wegen einer Papierrolle, die sich nach vorne oder, umgedreht, nach hinten abrollen lässt. Kaum eine hatte je darüber gesprochen und jede war davon ausgegangen, dass es „alle“ so machen würden wie sie selbst. (Eine gab zu, sie würde die Rolle auf fremden Toiletten umdrehen, wenn sie „verkehrt herum“ hängt. Doch das nur am Rand.)

Beispiel 2: Mittagszeit

Ich bespreche mit einer Kollegin, dass wir uns noch einmal wegen eines gemeinsamen Projektes zusammensetzen. „Ich komme morgen Mittag bei dir im Büro vorbei.“ sagt sie. „Alles klar!“ antworte ich ihr und freue mich auf die gemeinsame Arbeit.

Am nächsten Tag sehe ich zu, dass ich bis 12 Uhr mit meiner Arbeit fertig bin und warte auf meine Kollegin, die sicher jeden Moment kommt.

Es wird viertel nach 12*, halb 1, viertel vor 1 – keine Kollegin zu sehen. „Sie hat es wohl vergessen.“ denke ich. „Oder es ist ihr etwas dazwischengekommen. Oder sie steht im Stau. Doch wieso sagt sie dann nicht Bescheid?“

Langer Rede, kurzer Sinn: Sie kam um halb 2, was, im Gegensatz zu mir, ihrer Vorstellung von „Mittag“ entsprach.

Beispiel 3: Handy aus

Ein neuer Kurs an der VHS startet und wie immer bespreche ich mit den (hier 8) Teilnehmer*innen, wie wir miteinander umgehen wollen. Beim Thema „Handy“ meint Jemand ganz überzeugt: „Das brauchen wir nicht zu besprechen, das ist doch eh klar. Das Handy bleibt aus.“

Ich befrage jede einzelne Person und es kommen 8 verschiedene Meinungen dabei heraus. Von „Ist mir egal, ich habe kein Handy.“ über „Ich lasse mir doch nicht vorschreiben, wie ich mit meinem Handy umzugehen habe.“ bis zu einem Mitarbeiter des THW (Technisches Hilfswerk), der an diesem Samstag Bereitschaft hat und mit dem Handy auf „laut“ im Kurs sitzt. Das Erstaunen über die Vielfalt der Meinungen ist groß.

*So heißt es für mich als Münchnerin. Die Franken hier sagen „viertel 1“. Auch gut geeignet für Missverständnisse :-).

Bild von Holger Langmaier auf Pixabay.

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Christine Kiunke
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