Vom Pause machen und singen als Strafe

In meinen Vorlesungen, Kursen und Workshops legen wir natürlich immer wieder Pausen ein. Ich habe sehr gute Erfahrungen gemacht mit der Nachfrage: „Wie lange braucht ihr Pause?“ und einer klaren Ansage wie: „Okay, 10 Minuten. Wenn alle da sind, machen wir weiter.“

In meiner langjährigen Arbeit habe ich es noch nicht erlebt, dass eine einzelne Person oder gar die ganze Gruppe diese „Freiheit“ ausgenutzt und die Pause massiv überzogen hätte. Ja gut, bis auf das Quartett, das in der halbstündigen Mittagspause „schnell“ eine warme Mahlzeit essen wollte, was gründlich schief ging. Das war aber das einzige Mal, so weit ich mich erinnere und sie konnten wirklich nichts dafür. (Die Bedienung hatte ihnen extra-schnellen Service zugesichert.) Abgesehen davon entscheide ja ich, ob wir auf Nachzügler bzw. Nachzüglerinnen warten oder nicht.

Wenn also eine Person etwas später kommt, mache ich in der Regel kein Aufheben darum und wir warten kurz (oder auch nicht). Dieses Vorgehen hat sich für mich sehr bewährt.

Vor einiger Zeit sollte Jemand „mit Ansage“ zu spät kommen. Sein Sitznachbar hatte die Gruppe und mich netterweise darüber informiert, dass er noch kurz etwas zu erledigen hätte. Wir beschlossen, auf ihn zu warten und besprachen derweil etwas Organisatorisches. Plötzlich kam mir eine Idee, wie ich, anders als sonst, auf die Verspätung reagieren könnte.

Als der Besagte wenige Minuten später zurückkam und sich auf seinen Platz setzen wollte, sprach ich ihn mit einem freundlichen Lächeln an: „L., ich weiß von einem Referenten, da müssen die Teilnehmer*innen ein Lied singen, wenn sie zu spät kommen.“ (Bisher hatte diese Anekdote immer für Entsetzen gesorgt: „O nein, verschone uns, bitte nicht!“)

Dieses Mal kam der junge Mann einige Schritte auf mich zu, baute sich breitbeinig auf und grinste mich an: „Hey Christine, das mache ich sofort. Ich bin Leadsänger in einer Rockband. Soll ich?“

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